Import-Auto aus der EU: Gebrauchtwagen im Ausland einkaufen

Import-Auto aus der EU: wo Gebrauchtwagen günstiger sind, wie die Umsatzsteuer läuft, was Transport kostet und welche Papiere die Zulassung braucht.

· 7 Min. Lesezeit

Ein Import-Auto aus der EU lohnt sich für Händler dann, wenn das Fahrzeug im Ausland nach Transport, Steuer und Zulassung noch deutlich unter dem deutschen Marktpreis liegt. Deutschland ist für viele Volumenmodelle allerdings selbst einer der günstigsten Märkte Europas. Gewinne entstehen deshalb meist bei bestimmten Modellen, Ausstattungen und Ländern – nicht pauschal, weil ein Auto aus dem Ausland kommt.

Lohnt es sich, Gebrauchtwagen aus dem EU-Ausland zu importieren?

Ein EU-Import lohnt sich nur modellweise, nicht grundsätzlich. Das zeigen die Marktdaten: Laut den Inseraten, die MyCarDealer im Oktober 2026 ausgewertet hat, lag der Median für einen VW Golf der Baujahre 2019 bis 2021 (alle Motoren) in Deutschland bei rund 16.900 € (1.105 Inserate). In Belgien waren es rund 19.000 €, in Italien rund 18.800 €, in den Niederlanden sogar rund 21.500 €. Nur Schweden lag mit rund 16.300 € etwas darunter.

Beim BMW 3er Diesel derselben Jahrgänge sieht es anders aus: Deutschland rund 20.500 € (317 Inserate), Belgien rund 18.900 € (128), Schweden rund 22.300 €, Italien rund 22.600 €. Hier hat Belgien einen Vorsprung von gut 1.500 € – bevor Transport und Laufleistung berücksichtigt sind.

Modell (Bj. 2019–2021) Deutschland Belgien Italien Schweden Niederlande
VW Golf (alle Motoren) ca. 16.900 € ca. 19.000 € ca. 18.800 € ca. 16.300 € ca. 21.500 €
BMW 3er Diesel ca. 20.500 € ca. 18.900 € ca. 22.600 € ca. 22.300 € zu wenige Inserate

Wichtig für die Einordnung: Ausländische Inseratspreise enthalten die dortige Umsatzsteuer und teilweise Zulassungssteuern, außerdem unterscheiden sich Laufleistung und Ausstattung je Land. Die Tabelle zeigt die Richtung, die Rechnung machen Sie pro Fahrzeug.

Aus welchen EU-Ländern sind Gebrauchtwagen am günstigsten?

Ein dauerhaft günstigstes Land gibt es nicht. Typische Muster aus dem Handel:

  • Belgien: großer Markt mit vielen Firmenwagen, oft gut ausgestattete Diesel und Premiumfahrzeuge aus Leasingflotten.
  • Niederlande: Inseratspreise enthalten die Zulassungssteuer BPM und wirken deshalb hoch. Ein seriöser Vergleich ist deshalb nur mit dem konkreten Händlerangebot für den Export möglich, nicht mit dem Inseratspreis.
  • Dänemark: Wegen der hohen Registrierungsabgabe sind Inlandspreise kaum mit Deutschland vergleichbar. Beim Export kann der Halter laut der dänischen Motorbehörde (Motorstyrelsen) einen Teil der Registrierungsabgabe zurückerhalten – das macht Auto-Importe aus Dänemark bei bestimmten Fahrzeugen interessant. Die Bewertung durch die Behörde kostet allerdings eine Gebühr und dauert mehrere Wochen.
  • Italien: großes Angebot, regional sehr unterschiedliche Preise, häufig andere Ausstattungsschwerpunkte als in Deutschland.
  • Schweden: bei manchen Modellen leicht unter deutschem Niveau, aber weite Transportwege.

Für Autohändler

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Wie die Umsatzsteuer beim Autoimport aus der EU läuft

Die Umsatzsteuer hängt davon ab, wie der ausländische Händler das Fahrzeug verkauft.

Einkauf beim EU-Händler Was passiert steuerlich Ihr Weiterverkauf
Regelbesteuert Steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung; Sie versteuern den Erwerb mit 19 % und ziehen ihn als Vorsteuer ab Regelbesteuert, 19 % auf den vollen Preis
Differenzbesteuert im Ursprungsland Keine deutsche Erwerbsteuer, die ausländische Steuer auf die Marge ist im Preis Differenzbesteuert nach § 25a UStG möglich
Von Privat Keine Umsatzsteuer Differenzbesteuert nach § 25a UStG möglich

Rechtsgrundlage ist § 25a UStG: Die Differenzbesteuerung setzt nach Abs. 1 voraus, dass für die Lieferung an Sie keine Umsatzsteuer geschuldet oder die Differenzbesteuerung vorgenommen wurde. Nach Abs. 7 ist sie ausgeschlossen, wenn Ihr Lieferant die Steuerbefreiung für innergemeinschaftliche Lieferungen angewendet hat. Achtung bei jungen Fahrzeugen: Hat das Auto höchstens 6.000 km oder liegt die Erstzulassung höchstens sechs Monate zurück, gilt es nach § 1b UStG als Neufahrzeug und wird immer in Deutschland besteuert. Mehr dazu im Beitrag Reimport Auto kaufen.

Prüfen Sie bei regelbesteuerten Lieferungen die USt-IdNr. Ihres Lieferanten und achten Sie darauf, dass Ihr Lieferant den Gelangensnachweis erbringen kann. Nach § 17b UStDV muss dieser bei Fahrzeugen die Fahrzeug-Identifikationsnummer enthalten. Kann er das nicht, kommen nachträgliche Steuerforderungen auf ihn zu – und Diskussionen auf Sie.

Für Händler in Österreich kommt bei EU-Importen die Normverbrauchsabgabe (NoVA) hinzu, die laut österreichischem Finanzministerium vor der Zulassung zu entrichten ist. Das verändert die Rechnung erheblich.

Was kostet der Transport eines Autos aus dem EU-Ausland?

Die Transportkosten hängen von Strecke, Transportart und Auslastung ab und sollten pro Fahrzeug als Angebot eingeholt werden. Die drei üblichen Wege:

  1. Sammeltransport per Autotransporter – meist am günstigsten pro Fahrzeug, aber mit Wartezeit, bis der Lkw voll ist.
  2. Einzeltransport oder Abschleppwagen – schneller, teurer, sinnvoll bei nicht fahrbereiten Fahrzeugen.
  3. Überführung auf eigener Achse – mit Überführungskennzeichen des Ursprungslandes oder einem deutschen Kurzzeitkennzeichen, plus Fahrerkosten und Rückreise. Details zu den deutschen Kennzeichen finden Sie unter Kurzzeitkennzeichen kosten: Überführung & Zulassung für Händler.

Rechnen Sie neben dem Transport auch Abholung, Wartezeit beim Verkäufer und eine Reserve für Schäden ein, die erst bei Ankunft auffallen. Ein Vorteil von 1.500 € beim Einkauf ist schnell verbraucht, wenn das Fahrzeug 1.200 km gefahren werden muss.

Der Ablauf von der Suche bis zur Zulassung

Ein EU-Import läuft in der Praxis in sieben Schritten:

  1. Fahrzeug finden und mit dem deutschen Marktpreis bei gleicher Motorisierung, Ausstattung und Laufleistung vergleichen.
  2. Zustand prüfen – Fotos, Servicehistorie, ggf. Gutachten vor Ort. Lassen Sie sich die Fahrgestellnummer geben und prüfen Sie Ausstattung und Historie.
  3. Steuerstatus klären – regel- oder differenzbesteuert, Neufahrzeug oder nicht.
  4. Kaufvertrag und Zahlung – in der Regel per Überweisung vor Abholung. Vorsicht bei Angeboten, die nur Vorkasse an unbekannte Konten akzeptieren.
  5. Transport organisieren.
  6. Papiere sichern – ausländische Zulassungsdokumente, CoC-Papier, Kaufvertrag oder Rechnung, Servicenachweise.
  7. Zulassung in Deutschland – mit den ausländischen Papieren, CoC, eVB-Nummer und gegebenenfalls gültiger Hauptuntersuchung bei der Zulassungsbehörde.

Fehlt das CoC-Papier, kann die Zulassungsbehörde ein Datenblatt oder eine Einzelbegutachtung verlangen. Das kostet Zeit und Geld und gehört deshalb vor den Kauf geklärt.

Typische Stolperfallen beim Auto-Import

Die meisten Verluste bei Importen entstehen durch Dinge, die vor dem Kauf prüfbar gewesen wären:

  • Laufleistung. Kilometerstände lassen sich über Servicehefte und Prüfberichte plausibilisieren. Ohne Historie gehört ein Abschlag in die Rechnung.
  • Unfallvorschäden. Lackschichtdicke messen oder messen lassen.
  • Länderausstattung. Fehlende Optionen, die deutsche Käufer erwarten, drücken den Verkaufspreis.
  • Steuerfehler auf der Rechnung. Eine Rechnung mit ausländischer Umsatzsteuer bei einer eigentlich innergemeinschaftlichen Lieferung ist ein teurer Fehler.
  • Standzeit. Importfahrzeuge stehen länger, wenn Papiere fehlen oder die Zulassung hakt.

MyCarDealer sucht Fahrzeuge in ganz Europa und weist für jedes Angebot Transport und Nettomarge beim Verkauf in Deutschland aus – mit dem gewichteten Median vergleichbarer deutscher Inserate als Basis. Den Zugang können geprüfte Händler über Zugang anfragen beantragen. Wer umgekehrt prüfen will, ob ein Fahrzeug im Ausland mehr bringt, findet die Gegenrichtung im Beitrag Auto Export: Gebrauchtwagen ins Ausland verkaufen.

Häufige Fragen

Was ist der Nachteil an Import-Autos?

Typische Nachteile sind abweichende Länderausstattung, eine schwerer nachprüfbare Historie, zusätzlicher Aufwand bei Transport und Zulassung sowie Abschläge beim späteren Wiederverkauf. Hinzu kommt das Risiko steuerlicher Fehler, wenn die Rechnung nicht zur Lieferart passt.

Wie teuer ist es, ein Auto zu importieren?

Das hängt vor allem von Strecke und Transportart ab. Dazu kommen Zulassungskosten, gegebenenfalls Hauptuntersuchung oder Einzelbegutachtung und die Umsatzsteuer, falls das Fahrzeug regelbesteuert oder als Neufahrzeug geliefert wird. Holen Sie für jedes Fahrzeug ein konkretes Transportangebot ein.

Wie wird die Umsatzsteuer beim Autoimport aus der EU behandelt?

Kauft ein Händler regelbesteuert, liefert der ausländische Verkäufer steuerfrei und der Käufer versteuert den Erwerb in Deutschland mit 19 %, die er als Vorsteuer abzieht. Kauft er differenzbesteuert, fällt keine deutsche Erwerbsteuer an und er kann das Fahrzeug nach § 25a UStG differenzbesteuert weiterverkaufen.

Welche Papiere braucht man für die Zulassung eines EU-Imports?

In der Regel die ausländischen Zulassungsdokumente, das CoC-Papier (EG-Übereinstimmungsbescheinigung), den Kaufnachweis, eine eVB-Nummer der Versicherung und gegebenenfalls einen Nachweis über die Hauptuntersuchung. Fehlt das CoC-Papier, kann eine zusätzliche Begutachtung nötig werden.

Was ist der Unterschied zwischen Import und Reimport?

Import bezeichnet allgemein ein Fahrzeug, das aus dem Ausland nach Deutschland gebracht wird. Ein Reimport ist ein Fahrzeug, das ursprünglich für einen anderen EU-Markt bestimmt war – häufig ein in Deutschland gebautes Modell, das über einen ausländischen Händler zurückkommt.

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