Reimport Auto kaufen: EU-Fahrzeuge mit Vorteilen und Risiken
Reimport Auto kaufen als Händler: echte Preisvorteile, Nachteile bei Garantie und Ausstattung, Umsatzsteuer bei EU-Neuwagen und Tageszulassungen.
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Ein Reimport-Auto kaufen lohnt sich, wenn der Preisvorteil im EU-Ausland nach Transport, Umsatzsteuer und Ausstattungsunterschieden noch spürbar ist. Ein Reimport ist ein Fahrzeug, das für einen anderen EU-Markt gebaut oder dort ausgeliefert wurde und anschließend nach Deutschland kommt – als EU-Neuwagen, Tageszulassung oder junger Gebrauchter. Der Vorteil ist bei vielen Modellen kleiner als gedacht, die Nachteile liegen bei Garantiebeginn, Ausstattung und Wiederverkauf.
Was ist ein EU-Reimport-Auto?
Ein EU-Reimport ist ein Fahrzeug, das ursprünglich für einen anderen Mitgliedstaat bestimmt war. Bei deutschen Marken ist es oft ein in Deutschland gebautes Auto, das zunächst an einen Händler in Belgien, Italien oder Tschechien ging und dann „zurück“ nach Deutschland kommt – daher der Begriff Reimport. Bei Importmarken spricht man eher von EU-Fahrzeugen oder EU-Neuwagen.
Im Handel begegnen Ihnen drei Varianten:
| Variante | Typischer Zustand | Steuerlich |
|---|---|---|
| EU-Neuwagen, Lagerfahrzeug | Nicht zugelassen, 0–100 km | Neufahrzeug im Sinne von § 1b UStG |
| Reimport-Tageszulassung | Kurz im Ausland zugelassen, wenige Kilometer | Bis 6 Monate oder 6.000 km weiterhin Neufahrzeug |
| Reimport-Gebrauchtwagen | Älter als 6 Monate und mehr als 6.000 km | Normaler Gebrauchtwagen |
Die Unterscheidung ist wichtig, weil sie über die Umsatzsteuer entscheidet.
Umsatzsteuer: Neufahrzeug oder Gebrauchtwagen
Für die Umsatzsteuer gilt ein Landfahrzeug nach § 1b Abs. 3 UStG als neu, wenn es nicht mehr als 6.000 Kilometer zurückgelegt hat oder seine erste Inbetriebnahme nicht mehr als sechs Monate zurückliegt. Ein solches Fahrzeug wird im Bestimmungsland besteuert: Der ausländische Händler liefert steuerfrei, Sie versteuern den innergemeinschaftlichen Erwerb mit 19 % in Deutschland und ziehen die Steuer als Vorsteuer wieder ab.
Für Ihren Weiterverkauf folgt daraus: Die Differenzbesteuerung ist ausgeschlossen. § 25a Abs. 7 UStG schließt sie für neue Fahrzeuge und für Gegenstände aus, die Sie innergemeinschaftlich steuerfrei erworben haben. Sie verkaufen also regelbesteuert mit 19 % auf den vollen Preis.
Bei älteren Reimport-Gebrauchtwagen hängt es vom Verkäufer ab. Hat der ausländische Händler das Fahrzeug selbst differenzbesteuert verkauft, können Sie es nach § 25a Abs. 1 UStG ebenfalls differenzbesteuert weiterverkaufen. Wann welche Variante günstiger ist, zeigt der Beitrag Differenzbesteuerung Nachteil: Wann Regelbesteuerung besser ist.
Für Autohändler
Die Marge kennen, bevor Sie kaufen
MyCarDealer vergleicht jedes Fahrzeug aus Auktion oder Inserat mit dem Markt in Ihrem Land und zeigt die Nettomarge nach Steuer, Transport und Kosten – und das maximale Gebot.
Zugang anfragenWie viel günstiger sind Reimporte wirklich?
Reimporte sind nicht pauschal günstiger – bei vielen Volumenmodellen liegen die Preise in den Nachbarländern nah am deutschen Niveau. Laut den Inseraten, die MyCarDealer im Oktober 2026 ausgewertet hat, sieht es bei jungen Fahrzeugen der Baujahre 2024 und 2025 so aus:
| Modell (Bj. 2024–2025) | Deutschland | Belgien | Italien | Niederlande |
|---|---|---|---|---|
| Škoda Octavia | ca. 27.700 € (190 Inserate) | ca. 24.500 € (158) | ca. 25.900 € (58) | ca. 26.000 € (32) |
| VW Tiguan | ca. 34.900 € (222) | ca. 34.500 € (200) | ca. 35.000 € (191) | ca. 44.900 € (149) |
Beim Octavia liegt der belgische Median rund 3.000 € unter dem deutschen, beim Tiguan gibt es praktisch keinen Unterschied. Die niederländischen Werte sind nur eingeschränkt vergleichbar, weil Inseratspreise dort die Zulassungssteuer BPM enthalten. Ebenso enthalten ausländische Endkundenpreise die jeweilige Landes-Umsatzsteuer. Als Händler kaufen Sie regelbesteuerte Fahrzeuge aber netto und versteuern in Deutschland – Ihr tatsächlicher Vorteil ergibt sich also erst aus dem Nettopreis des Lieferanten.
Die eigentlichen Preisvorteile entstehen weniger beim Endkundenpreis als bei Lagerfahrzeugen: Händler im Ausland, die Stückzahlziele des Herstellers erreichen müssen, geben Tageszulassungen und Bestandsfahrzeuge mit Nachlässen ab. Diese Nachlässe sind schwer vorherzusagen und schwanken mit Quartalsende und Modellwechsel.
Nachteile von Reimport-Fahrzeugen
Die Nachteile eines Reimports sind meist kleiner als ihr Ruf, aber sie kosten Geld, wenn man sie nicht einpreist.
- Garantiebeginn. Die meisten europäischen Hersteller gewähren eine EU-weite Herstellergarantie, die jede Vertragswerkstatt in Deutschland erfüllt. Die Garantie beginnt aber häufig mit der Auslieferung an den ausländischen Händler oder mit der Erstzulassung dort. Ein Lagerfahrzeug, das acht Monate stand, hat entsprechend weniger Restgarantie.
- Ausstattung. Länderversionen unterscheiden sich: Navigationssystem, Sitzheizung, Assistenzpakete, Lichtsysteme. Ein Fahrzeug, das „nackter“ ist als die deutsche Serienausstattung, verkauft sich schlechter.
- Sprache und Software. Bordmenüs, Bedienungsanleitung und Online-Dienste müssen auf Deutsch umstellbar sein. Das gelingt meist, ist aber zu prüfen.
- Vorbesitz in den Papieren. Eine ausländische Tageszulassung bedeutet einen zusätzlichen Eintrag in der Fahrzeughistorie. Manche Kunden reagieren darauf skeptisch.
- Wiederverkauf. Beim späteren Ankauf werden Reimporte von manchen Händlern mit einem Abschlag bewertet – auch wenn technisch kein Unterschied besteht.
Gilt die Herstellergarantie auch bei EU-Neuwagen?
Ja, in der Regel gilt die Herstellergarantie auch bei EU-Neuwagen, und zwar bei jedem autorisierten Vertragspartner in Deutschland. Entscheidend sind zwei Fragen: Wann hat die Garantie begonnen, und gibt es Zusatzgarantien, die nur im Ursprungsland gelten (etwa länderspezifische Anschlussgarantien oder Mobilitätsgarantien)? Lassen Sie sich das Garantiebeginn-Datum vom Lieferanten schriftlich geben.
Davon zu trennen ist die Sachmängelhaftung. Verkaufen Sie das Fahrzeug im eigenen Namen an einen Verbraucher, haften Sie nach deutschem Recht – unabhängig davon, woher das Auto kommt. Was Sie dabei im Kaufvertrag regeln können, steht im Beitrag Kaufvertrag Auto: Gewährleistung beim Gebrauchtwagen vom Händler.
Was beim Einkauf zu beachten ist
Ein strukturierter Ablauf schützt vor den typischen Fehlern:
- Fahrgestellnummer vorab prüfen. Ausstattung, Produktionsdatum und gegebenenfalls Garantiebeginn über eine Vertragswerkstatt abfragen.
- CoC-Papier anfordern. Die EG-Übereinstimmungsbescheinigung erleichtert die Zulassung erheblich.
- Steuerstatus klären. Neufahrzeug oder Gebrauchtwagen, regel- oder differenzbesteuert – das gehört auf die Rechnung.
- USt-IdNr. des Lieferanten prüfen. Bei steuerfreien innergemeinschaftlichen Lieferungen braucht Ihr Lieferant Ihre gültige USt-IdNr., Sie seine.
- Transport und Überführung einpreisen. Sammeltransport, Kurzzeitkennzeichen oder Überführungsfahrer haben sehr unterschiedliche Preise.
- Verkaufspreis in Deutschland ermitteln – mit der Ausstattung, die das Auto wirklich hat, nicht mit der deutschen Serienausstattung.
Den letzten Schritt nimmt Ihnen MyCarDealer ab: Die Plattform vergleicht den Einkaufspreis im Ausland mit dem Marktpreis vergleichbarer Fahrzeuge in Deutschland und rechnet Transport und Steuer in die Marge ein. Für einen schnellen Test gibt es die kostenlose Bewertung. Den gesamten Ablauf eines EU-Imports beschreibt der Beitrag Import-Auto aus der EU: Gebrauchtwagen im Ausland einkaufen.
Reimport kaufen: ja oder nein?
Ein Reimport lohnt sich für Händler, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Der Nettoeinkaufspreis liegt nach Transport deutlich unter dem deutschen Marktpreis, die Ausstattung entspricht dem, was deutsche Käufer erwarten, und die Restgarantie ist lang genug, um sie im Verkauf als Argument zu nutzen. Fehlt eine davon, ist der Vorteil schnell aufgebraucht.
Besonders interessant sind Reimporte bei Modellen mit hoher Nachfrage und klaren Ausstattungslinien, bei denen ausländische Händler Lagerfahrzeuge abbauen müssen. Weniger geeignet sind Premiummodelle mit vielen Einzeloptionen, bei denen jede fehlende Option den Wiederverkaufswert drückt.
Häufige Fragen
Was ist der Nachteil bei Reimport-Autos?
Die häufigsten Nachteile sind ein früherer Garantiebeginn, abweichende Länderausstattung und ein zusätzlicher Eintrag in der Fahrzeughistorie bei Tageszulassungen. Beim späteren Wiederverkauf bewerten manche Händler Reimporte zudem etwas niedriger.
Sind Reimport-Autos billiger?
Nicht immer. Bei manchen Modellen liegen die Preise im EU-Ausland mehrere Tausend Euro unter dem deutschen Niveau, bei anderen gibt es kaum einen Unterschied. Vergleichen Sie immer den Nettoeinkaufspreis inklusive Transport mit dem realen deutschen Marktpreis bei gleicher Ausstattung.
Gilt die Herstellergarantie auch bei EU-Neuwagen?
Die meisten europäischen Hersteller gewähren eine EU-weite Garantie, die jede Vertragswerkstatt in Deutschland erfüllt. Prüfen Sie aber, wann die Garantie begonnen hat – oft schon mit der Auslieferung an den ausländischen Händler oder der dortigen Erstzulassung.
Wie wird ein Reimport-Neuwagen umsatzsteuerlich behandelt?
Fahrzeuge mit höchstens 6.000 km oder einer Erstinbetriebnahme vor höchstens sechs Monaten gelten nach § 1b UStG als neu und werden in Deutschland mit 19 % Erwerbsteuer besteuert. Händler ziehen diese als Vorsteuer ab und verkaufen anschließend regelbesteuert; die Differenzbesteuerung ist ausgeschlossen.
Was ist bei Reimport-Fahrzeugen zu beachten?
Lassen Sie sich Garantiebeginn, CoC-Papier, Ausstattungsliste und Steuerstatus schriftlich bestätigen. Kalkulieren Sie Transport und Überführung ein und vergleichen Sie mit dem deutschen Marktpreis der tatsächlichen Ausstattung.